Diese beiden Bücher möchte ich besonders empfehlen. Weil Selbstfindung nicht nur den Geist betrifft oder die Seele oder den Verstand. Auch andere Teile von uns sind viel spannender, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Und guter Lesestoff sind die Bücher auch noch!
Darm mit Charme
Giulia Enders ist Wissenschaftlerin und kann überaus unterhaltsam erzählen. Besonders darüber, was wir mit dem Darm für ein hochkomplexes und wunderbares, und doch vernachlässigtes Organ haben. Er ist der Schlüssel zu Körper und Geist. Er ist ein fabelhaftes Wesen voller Sensibilität, Verantwortung und Leistungsbereitschaft – und er ist wichtigster Berater unseres Gehirns. Guck an!
Wenn man ihn gut behandelt, bedankt er sich dafür. Der Darm trainiert zwei Drittel unseres Immunsystems. Aus Brötchen oder Tofu-Wurst beschafft er unserem Körper die Energie zum Leben. Er hat das größte Nervensystem nach dem Gehirn. Allergien, Gewicht und Gefühlswelt sind eng damit verknüpft.
Das Buch erklärt, was die medizinische Forschung Neues bietet und wie wir mit diesem Wissen unseren Alltag besser machen können. Die Illustrationen stammen von Guilias Schwester Jill.
Die aktualisierte Neuauflage ist um ein Kapitel ergänzt: Es gibt ein Update zu neuen Forschungsergebnissen und zur Welt der Mikroben.
Nachdem ich das Video zum Buch: https://www.youtube.com/watch?v=V1lbAdGnXS8 gesehen hatte, wollte ich das Buch dann auch lesen. Unbedingt.
Fazit: Klingt komisch, deswegen: Video ansehen, lesen!
Themen
- Wie geht kacken? Kot-Typologie
- Darmrohr
- Aufbau
- Entstehung des Menschen
- Essen, Allergien, Unverträglichkeiten, Intoleranzen
- Nervensystem
- Aufstoßen und Erbrechen
- Verstopfung
- Gehirn und Darm
- Welt der MIkroben
- Darmflora
- Schlechte Bakterien und Parasiten
- Sauerbkeit und gute Bakterien
Giulia Enders: „Darm mit Charme. Alles über ein unterschätztes Organ“. ullstein 2018. 16,99 EUR. ISBN 978-3-550-08184-2.
Viva la Vagina!
Ein besonderes Organ! Dazu gibt es erstaunlich viel zu entdecken, zu staunen und zu lernen. Genuss springt am Ende womöglich auch noch dabei raus… Denn wie wir uns selbst kennen und spüren, beeinflusst grundlegend unsere Gefühle, Stimmungen und unser generelles Wohlbefinden.
Kein Rumgerede über „das da unten“, keine falsche Scham und auch kein medizinisches Kauderwelsch: Die Ärztinnen Nina Brochmann und Ellen Støkken Dahl aus Norwegen haben sich von Guilia Enders Mut machen lassen. Sie erklären in diesem Buch direkt, unverkrampft und mit dem nötigen Fachwissen alles, was man als Frau (und Mann?) so gern mal genauer wissen möchte, nicht nur das Potenzielle Mordsyndrom oder mögliche Sorgen rund um „bin ich gesund“ oder „ist das normal“.
Durch ihre Erfahrung als Sexualberaterinnen und durch ihren Alltag in der Klinik wurde ihnen klar, dass es höchste Zeit ist, uns mal mit unserm Innersten vertraut zu machen. Und jetzt kann man das eben auch, sich mal schlau machen. Ebenso unterhaltsam zu lesen wie „Darm mit Charme“.
Fazit: Wow! Was man nicht noch alles lernen kann!
Themen
- Außen: Komposition und Komponenten
- Haarige Tipps
- Innen: Verborgene Schätze
- Monatliche Wiederkehr
- Warum wir nicht verbluten
- Zeitpunkte zum Schwangerwerden
- Das erste Mal … und die Male danach
- The Big O
- Keine Lust
- Verhütung
- Trouble: Störungen und Krankheiten
Nina Brochmann, Ellen Støkken Dahl und für die Illustriation Hanne Sigbjørnsen: „Viva la Vagina!. Alles über das weibliche Geschlecht“. S. Fischer Verlag 2018. 16,99 EUR. ISBN 978-3-10-397338-9.
Maria

Als Mischung aus Fachbuch und autobiografischen Fotosessionberichten ist das Buch nach einem eher außergewöhnlichen Konzept aufgebaut. Aufmerksam gemacht hat mich als erstes mal der Titel. Super! Fehlerkultur! Da bekomme ich nicht nur fotografische Inspiration, sondern auch etwas mehr. Leider war meine Erwartungshaltung zu hoch… die Fehler, die beschrieben sind, sind zwar lehrreich. Manche davon hätte ich selbst allerdings auch beim ersten Mal eher nicht gemacht ;-)
75 % der Frauen in Deutschland erwartet später eine Rente unter 400 EUR. Nicht schön. Gar nicht schön.
Am 12. November 1918 veröffentlichte in Deutschland der Rat der Volksbeauftragten einen Aufruf an das deutsche Volk, in dem die Reichsregierung verkündete: „Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen.“





Pepper (die fröhliche Rothaarige auf dem Karton) geht auf Entdeckungstour. Im Dschungel besucht sie ihre Tante. Diese ist leidenschaftliche Affenforscherin und lebt in einem Baumhaus, ganz ohne Zivilisation. Dafür hat es eine trickreiche Strickleiter, eine Seilwinde, Rollen und Zahnräder. Das Gepäck ist zu schwer, um es alleine ins Baumhaus zu tragen? Kein Problem! Ein Flaschenzug schafft Abhilfe.
Physikalische Grundgesetze und mechanische Helferlein haben nach dem Abenteuer alle kapiert. Ob Katapult, Affenaufzug oder LED-Lichterkette: Gemeinsam mit Pepper Mint gelingt alles sehr leicht.
Pepper begleitet eine Expedition ins Bermuda-Dreieck. Als die Motoren und Geräte des Forschungsschiffs ausfallen, beginnt sie, Wasser als Antrieb zu nutzen und experimentiert mit Druck und Dichte. Die begleitende Geschichte führt die Nachwuchsforscherinnen von Versuch zu Versuch und zeigt, wie sie Maschinen mit Wasser bewegen können. Am Ende ist der Strom wieder da und junge Elektroingenieurinnen bauen ihre eigene Seifenblasenmaschine.
Wer Spaß am Basteln hat und nebenbei noch programmieren lernen möchte, kann sich dieses Buch mal ansehen. Ohne Vorwissen wird man Schritt für Schritt in die Welt des Programmierens eingeführt und kann mit wenigen Klicks eigene Anwendungen für den Mini-Computer erstellen. Den (jungen) Leserinnen und Lesern werden verschiedene Editoren vorgestellt: Calliope mini Editor und MakeCode und Open Roberta Lab. Auch das Ausprobieren von Programmen in der Simulation kommt dort vor. Sehr ausführlich ist die bebilderte Beschreibung aller Hardware-Komponenten, das ist wirklich gut gemacht!
Ein Journalist und eine Künstlerin, Niklas Maak und Leanne Shapton, wandern zwei Tage durch Manhattan, immer nordwärts. Sie lassen sich treiben und beobachten die Stadt: Die Straßen, die gelben Taxen, die alten Backsteinfassaden, den chinesischen Schrotthändler, die Überwachungskameras, den Trump-Tower, die Flugzeuge am Himmel. Niklas Maak macht sich Notizen, Leanne Shapton tuscht dazu stimmungsvolle, meist eher abstrakte Farbflächen. Nach und nach entsteht ein Blick auf New York, banal und gleichzeitig sehr eigentümlich, ein Stimmungsbild der Stadt. Dabei authentisch und irgendwie intim. Intim? Ja, man begleitet den Erzähler und die Zeichnerin quasi auf einem Spaziergang von Süd nach Nord und sieht ihnen dabei über die Schulter bei dem, was ihnen so begegnet. Gegebenheiten und kurze Einblicke in Menschenleben, Situationen und Historie. Oft sind es Beobachtungen, dann wieder wiedergegebene Gespräche.


